Sammy Baloji

Titel

… and to those North Sea waves whispering sunken stories

Jahr

2021

Ort

Strand gegenüber Hotel Palace
Baron de Maerelaan 2
8380 Zeebrugge

… and to those North Sea waves whispering sunken stories

Sammy Balojis Praxis erforscht, wie unsere koloniale Geschichte mit der aktuellen Ausbeutung von Menschen, Ressourcen und Land verwoben ist. Der Ausgangspunkt für diese Arbeit liegt ein paar Kilometer entfernt, wo „De Paardenmarkt“, eine Munitionsmüllhalde aus dem Ersten Weltkrieg, auf dem Meeresgrund liegt. In Analogie zu den unter Wasser entsorgten Granaten, die eine ökologische Bedrohung darstellen, ist die Erinnerung an die Rolle des damaligen Belgisch-Kongo in beiden Weltkriegen in den Tiefen des belgischen Gedächtnisses verborgen. Der Kongo war für die belgische Armee unverzichtbar, als Reservoir für Soldaten und Kupfer.

In … and to those North Sea waves whispering sunken stories wurde die Stimme eines Zeitzeugen aufgenommen: Albert Kudjabo, ein kongolesischer Soldat, der sich 1914 freiwillig zum Kampf in Belgien meldete, zusammen mit 31 anderen kongolesischen Soldaten. Er wurde als Kriegsgefangener nach Berlin deportiert, wo er aufgrund seiner Herkunft als Studienobjekt diente. In der deutschen Tonaufnahme von Kudjabo ist eine kongolesische Stimme zu hören, die die Anwesenheit von kongolesischen Freiwilligen in der belgischen Armee dokumentiert. Sie zeugt auch von der Unterdrückung durch die Kolonialpolizei Force Publique im Kongo und der Tatsache, dass kongolesische Arbeiter als Sklaven für den Abbau von Mineralien zu Kriegszwecken eingesetzt wurden.

Diese Schattenseiten der Geschichte kristallisieren sich in Balojis Skulpturen heraus. Die Formen stammen von wissenschaftlichen Zeichnungen von Mineralien, die zur Kartierung des Abbaus im Kongo angefertigt wurden. Baloji bezieht sich auch auf den Wardian Case, eine Glasvitrine, die für den Seetransport exotischer Pflanzen verwendet wurde. Der globale Massenexport von Pflanzen schuf neue Ökonomien und manipulierte natürliche Prozesse. Dieser Prozess der Verdrängung und Unterdrückung gipfelte schließlich in der aktuellen Klimakrise.

Der Wardian Case umschließt wie „De Paardenmarkt“ Spuren eines Schlüsselmoments der Vergangenheit, die noch heute nachschwingen. … and to those North Sea waves whispering sunken stories legt die koloniale Seite des Kriegs und das gewalttätige Erbe der Ausbeutung der Ressourcen im Kongo offen. Ein Erbe, das heute die globale Gesellschaft zerrüttet, das ökologische Gleichgewicht stört und die Ungleichheiten auf dem Weltmarkt aufrechterhält.

Dieses Kunstprojekt entstand in Zusammenarbeit mit In Flanders Fields Museum in Ypern.

Ort

Strand gegenüber Hotel Palace
Baron de Maerelaan 2
8380 Zeebrugge
Zeebrugge

DRC, °1978

Sammy Baloji ist Mitbegründer von Picha Encounters und der Lubumbashi Biennale. In seinem Werk beleuchtet er die Ausbeutung von Mensch und Umwelt und die nachhaltigen Auswirkungen der belgischen Kolonialisierung. Ausstellungen (Auswahl): 2020 Finalist Belgischer Kunstpreis; 2017 Documenta 14; 2016 Einzelausstellung Wiels, Brüssel (solo); 2016 Dakar Biennale; 2015 Venedig Biennale; 2014 Mu.ZEE (solo); Sammy Baloji gewann 2008 den Prince Claus Award.